Skip to content

Ärztin im Beratungsgespräch in der Praxis
Informationen für medizinische Fachkreise

HRT (Hormonersatz­therapie) neu bewertet – was die aktuelle Evidenz für die Therapie der Wechseljahres­beschwerden bedeutet

  • Bis zu 80 % der Frauen berichten über Wechseljahresbeschwerden, jede dritte Frau erlebt schwere Symptome.1,2
  • Die Nutzen-Risiko-Bewertung der menopausalen Hormontherapie (MHT) hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.3
  • Leitlinien empfehlen eine individuelle Therapieentscheidung unter Berücksichtigung von Beschwerden, Risikoprofil und Präferenzen der Patientinnen.4,5
Hier geht es zur Checkliste

Menopause auf einen Blick

Wechseljahres­beschwerden

Bis zu 80 %

der Frauen haben Wechseljahresbeschwerden – jede dritte Frau schwere Symptome.1,2

Dauer der Beschwerden

7,4 Jahre

halten die Beschwerden im Schnitt an – bei frühem Menopauseneintritt bis zu 11,8 Jahre.6

Berufliche Belastung

3 von 10

Frauen berichten über erhebliche berufliche Belastungen bis hin zu Arbeitsausfällen.7

Menopausale Beschwerden und die Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität

Die Menopause kann mit vielfältigen körperlichen und psychischen Veränderungen einhergehen. Acht von zehn Frauen berichten in den Wechseljahren über Beschwerden unterschiedlicher Art und Ausprägung,1 die im Schnitt 7,4 Jahre anhalten. Frauen mit einem frühen Eintritt in die Menopause leiden sogar bis zu 11,8 Jahren an Wechseljahresbeschwerden.6 Im Vordergrund stehen vor allem vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Darüber hinaus treten unter anderem Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen sowie urogenitale Beschwerden wie z. B. vaginale Trockenheit auf.3 Etwa ein Drittel der Frauen erlebt schwere Symptome, die die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen.1

Die Wechseljahre können sich auch auf das Arbeitsleben auswirken. Etwa drei von zehn Frauen berichten über erhebliche berufliche Belastungen, die in Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, Fehlzeiten und Arbeitsausfälle resultieren.7

Selbstbewusste Frau in den Wechseljahren am Arbeitsplatz

Die Hormonersatztherapie auf dem Prüfstand

Lange Zeit galt die Hormonersatztherapie (HRT), mittlerweile weitgehend als menopausale Hormontherapie (MHT) bezeichnet, als etablierte Behandlungsoption bei Wechseljahresbeschwerden. Anfang der 2000er Jahre geriet dieses Bild jedoch insbesondere durch die Ergebnisse der Women’s Health Initiative (WHI) ins Wanken. Die groß angelegte Studie zeigte ein erhöhtes Risiko für Mammakarzinome, koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfälle und venöse Thromboembolien (VTE) unter einer kombinierten Hormontherapie,8 was zu einer erheblichen Verunsicherung bei ÄrztInnen und Patientinnen und einem weltweit deutlichen Rückgang der Verordnungen führte.9

In der Folge wurden die WHI-Ergebnisse intensiv aufgearbeitet. Dabei zeigte sich, dass die Studienpopulation nur eingeschränkt dem typischen Profil vieler MHT-Anwenderinnen entsprach:

  • Durchschnittsalter über 60 Jahre – eine MHT bei Wechseljahresbeschwerden wird hingegen meist bereits in der Peri- oder frühen Postmenopause begonnen (d. h. im Alter um etwa 50 Jahre).
  • Untersucht wurde ausschließlich eine spezifische Kombination aus oral appliziertem konjugiertem Östrogen (CEE) und Medroxyprogesteronacetat (MPA).10,11
  • Die Ergebnisse lassen sich daher nicht uneingeschränkt auf andere Hormonformulierungen, Dosierungen oder Applikationswege übertragen.

Die kontinuierliche Erweiterung der Evidenzbasis ermöglicht heute eine differenziertere Einordnung von Nutzen und Risiken der MHT. Die Neubewertung hat die Sicht auf die Hormonersatztherapie nachhaltig verändert und spiegelt sich in den aktuellen Empfehlungen führender internationaler Fachgesellschaften wider. Diese Entwicklung hat auch Eingang in die Konsultationsfassung zur Aktualisierung der deutschen S3-Leitlinie gefunden.3

Die MHT heute: Wirksamkeit und Nutzen

Die aktuelle Evidenz hat den Stellenwert der MHT in der menopausalen Versorgung neu definiert. Nationale und internationale Fachgesellschaften empfehlen sie heute als wirksamste Behandlungsoption bei vasomotorischen Beschwerden. Die Hormonersatztherapie kann gleichzeitig auch weitere Beschwerden wie zum Beispiel Schlafstörungen, urogenitale Symptome oder unspezifische Gelenkbeschwerden lindern.3,5

Voraussetzung für die Verordnung ist, dass „keine Kontraindikationen vorliegen und die Patientin über die kurz- und langfristigen Nutzen und Risiken informiert wurde“.3 Ausdrücklich betont wird eine individualisierte Nutzen-Risiko-Abwägung. Sie berücksichtigt:

Alter und Menopausen-Status
vorliegende Erkrankungen
potenzielle Risikofaktoren
persönliche Präferenzen der Patientin

Die Therapie soll mit der niedrigsten wirksamen Dosis erfolgen, die eine ausreichende Symptomkontrolle ermöglicht und regelmäßig überprüft werden.

Die MHT kann die Lebensqualität betroffener Frauen deutlich verbessern und beeinflusst zusätzlich gesundheitliche Aspekte, die über die Linderung von Wechseljahresbeschwerden hinausgehen. Gut belegt ist der positive Effekt auf den Knochenstoffwechsel: Durch den Ausgleich des Östrogenmangels wirkt die Hormontherapie dem beschleunigten postmenopausalen Knochenverlust entgegen und senkt das Risiko osteoporotischer Frakturen.3,12

Die kardiovaskulären Auswirkungen der MHT werden mittlerweile differenzierter betrachtet als vor einigen Jahren. Aktuelle Daten sprechen dafür, dass der Zeitpunkt des Therapiebeginns eine entscheidende Rolle spielt. Studien deuten darauf hin, dass ein früher Therapiebeginn mit kardiovaskulären Vorteilen verbunden sein kann, während ein später Therapiebeginn bei älteren Frauen mit einem ungünstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnis einhergehen kann.13

Individualisierte Therapieplanung in der modernen MHT

Die Therapieplanung umfasst mehrere aufeinander aufbauende Entscheidungen:

  1. Mono- oder Kombinationstherapie
  2. Lokale und/oder systemische Therapie
  3. Wahl der Hormonformulierung
  4. Wahl des geeigneten Applikationswegs

Für Ärzte: Kostenfreier Zugriff auf alle Inhalte mit Ihrem DocCheck-Login

Mit Ihrem DocCheck-Login erhalten Sie exklusiven Zugriff auf praxisrelevante Materialien und vertiefende Fachinformationen: darunter die Checkliste „MHT vor Therapiebeginn“ zum Download, Inhalte zur individualisierten Therapieplanung sowie Informationen zu den unterschiedlichen Applikationsmöglichkeiten.

Sie haben noch kein DocCheck-Login oder Ihre Zugangsdaten nicht zur Hand?

Klicken Sie zur Registrierung oder zum Erhalt Ihrer Zugangsdaten einfach auf die Links „Passwort vergessen“ oder „Registrieren“ im Login-Fenster. Wir bedauern sehr, dass wir aufgrund der Rechtslage den Patienten diese Informationen nicht zur Verfügung stellen dürfen. Wir wünschen uns gut informierte Patienten.

DocCheck Login

MHT vor Therapiebeginn

Checkliste zur strukturierten Indikationsstellung und Risikobewertung

Hier herunterladen